Franz Blei (1871 - 1942) ist einer der berühmtesten Vergessenen in der deutschen Literaturgeschichte. In den zwanziger Jahren war er Freund und Förderer all derer, die ihn bald in den Schatten stellen sollten: Sternheim, Walser, Kafka, Musil … Er wirkte als Kritiker, Herausgeber, Übersetzer, Pornograph, Essayist, Katholik, ein Tausendsassa von der quecksilbrigsten Art, der das ganze Bestiarium der Musen in sich trug, wie sein Freund Robert Musil ihm liebevoll bescheinigte:
»Ernsthafte Steuerzahler stellen sich unter ihm ein erotisches Bazillen verbreitendes, gefährliches Wesen vor, das man von Weib und Kind fernhalten muss, aber nicht kann. Solide Schriftsteller, die ihr bescheidenes, geistiges Kapital zu hohen Zinsen anzulegen wissen, nennen ihn gern einen Literaten. Patentierte Denker, die niemals oberflächlich sein dürfen, verübeln ihm, dass er hie und da als Schauspieler auftritt. Was Schauspieler von ihm denken, weiß ich nicht; möglicherweise denken sie überhaupt nicht. Gläubige nennen ihn einen Frevler. Frevler, welche auf die Solidität dieses Berufs etwas halten, meinen dagegen, er sei ein katholischer Ästhet. Und alte Stiftsdamen behaupten noch heute, dass er der Mann sei, der in Österreich die Revolution eingeführt habe, gemeinsam mit einem Franz Werfel, von dem man aber sonst nur Gutes hört.«
Was Blei selbst (in seiner Autobiographie) nur diskret umreißt, kann man genauer nachlesen in Gregor Eisenhauers biographischem Essay "Franz Blei - Der Literat". Eine kenntnisreiche, streckenweise brillant geschriebene Arbeit, in der man den rastlosen Literaten und Erotomanen besser kennenlernt und auch jene Aspekte angesprochen findet, die Blei in seiner Lebenserzählung ganz verschweigt - etwa seine lebensphilosophisch gespeiste Kriegsbegeisterung im Herbst 1914.
Wolfgang Schneider, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Mit dem biographischen Essay hat Gregor Eisenhauer die seinem Gegenstand kongeniale Form und überdies eine im deutschen Feuilleton selten anzutreffende präzise und elegante Sprache gefunden, um eine interessierte Öffentlichkeit auf Blei aufmerksam zu machen.
Hans-Harald Müller, Rheinischer Merkur
"Der Literat", wie Eisenhauer sein Buch über Blei betitelt, ist keine penible germanistische Studie, sondern ein leidenschaftlicher, gleichermassen liebevoller wie kritischer Essay über einen Essayisten. Endlich einmal erweist sich ein Germanist dem Objekt seines Forschens auch sprachlich gewachsen: über weite Passagen sprüht die kurzweilige Arbeit über Blei geradezu vor Bleischem Esprit: "Blei war zu intelligent, um sich als Dichter aufzuspielen, und zu daseinsverliebt, um als Denker emeritieren zu können. Sein Ausweg aus diesem Dilemma war der Essay. Seine Methode war der Witz."
Karl-Markus Gauss, Neue Zürcher Zeitung
»Ernsthafte Steuerzahler stellen sich unter ihm ein erotisches Bazillen verbreitendes, gefährliches Wesen vor, das man von Weib und Kind fernhalten muss, aber nicht kann. Solide Schriftsteller, die ihr bescheidenes, geistiges Kapital zu hohen Zinsen anzulegen wissen, nennen ihn gern einen Literaten. Patentierte Denker, die niemals oberflächlich sein dürfen, verübeln ihm, dass er hie und da als Schauspieler auftritt. Was Schauspieler von ihm denken, weiß ich nicht; möglicherweise denken sie überhaupt nicht. Gläubige nennen ihn einen Frevler. Frevler, welche auf die Solidität dieses Berufs etwas halten, meinen dagegen, er sei ein katholischer Ästhet. Und alte Stiftsdamen behaupten noch heute, dass er der Mann sei, der in Österreich die Revolution eingeführt habe, gemeinsam mit einem Franz Werfel, von dem man aber sonst nur Gutes hört.«
Was Blei selbst (in seiner Autobiographie) nur diskret umreißt, kann man genauer nachlesen in Gregor Eisenhauers biographischem Essay "Franz Blei - Der Literat". Eine kenntnisreiche, streckenweise brillant geschriebene Arbeit, in der man den rastlosen Literaten und Erotomanen besser kennenlernt und auch jene Aspekte angesprochen findet, die Blei in seiner Lebenserzählung ganz verschweigt - etwa seine lebensphilosophisch gespeiste Kriegsbegeisterung im Herbst 1914.
Wolfgang Schneider, Frankfurter Allgemeine Zeitung
Mit dem biographischen Essay hat Gregor Eisenhauer die seinem Gegenstand kongeniale Form und überdies eine im deutschen Feuilleton selten anzutreffende präzise und elegante Sprache gefunden, um eine interessierte Öffentlichkeit auf Blei aufmerksam zu machen.
Hans-Harald Müller, Rheinischer Merkur
"Der Literat", wie Eisenhauer sein Buch über Blei betitelt, ist keine penible germanistische Studie, sondern ein leidenschaftlicher, gleichermassen liebevoller wie kritischer Essay über einen Essayisten. Endlich einmal erweist sich ein Germanist dem Objekt seines Forschens auch sprachlich gewachsen: über weite Passagen sprüht die kurzweilige Arbeit über Blei geradezu vor Bleischem Esprit: "Blei war zu intelligent, um sich als Dichter aufzuspielen, und zu daseinsverliebt, um als Denker emeritieren zu können. Sein Ausweg aus diesem Dilemma war der Essay. Seine Methode war der Witz."
Karl-Markus Gauss, Neue Zürcher Zeitung