Die junge Ärztin Agnes d’Estrées meldete sich im Jahr 1991 in der psychiatrischen Praxis von Frau S. Der Anlass ist ein bevorstehendes Bewerbungsgespräch beim Chefarzt der gynäkologischen Abteilung des Provinzkrankenhauses in Blumenthal. Just in jener Abteilung, in der sich fünf Jahre zuvor ein Zwischenfall ereignet hatte, an dem sie nicht ganz unschuldig war.
Nervös setzte sich Frau d’Estrées in den Sessel mir gegenüber. Ich lächelte und nickte ihr beruhigend zu.
„Nennen Sie mich bitte Agnes“, sagte sie.
„Nennen Sie mich Frau S.“, rutschte es mir heraus.
Ich fasste mich an die Stirn. Tolle Vorstellung. Am liebsten hätte ich mir eine Ohrfeige verpasst. Ich lächelte und nickte, während sie mich mit gerunzelter Stirn anschaute.
„Ich fühle mich wie ein gekochtes Huhn“, begann sie.
Ich merkte, dass ich immer noch nickte und hörte damit auf.
Sie lächelte verlegen. „Ein Freund von mir nennt es pischmisch tavuk. Es ist ein türkisches Sprichwort. Ein Huhn wird gejagt, geköpft und gerupft, bevor es gekocht wird. Wenn sich ein Mensch so fühlt, als wäre er schlimmer dran als das Huhn, nennt er ihn ein gekochtes Huhn. Pischmisch tavuk.“
Pischmisch tavuk, ja? Ich massierte meine Schläfen.
Agnes holte tief Luft. „Ich möchte Ihnen meine Lebensgeschichte erzählen. Seit Tagen spult sich alles in meinem Kopf immer und immer wieder ab. Ich kann einfach nicht abschalten.“ Sie zögerte. „Bleibt das aber auch ganz sicher zwischen uns?“, fragte sie unsicher.
Aber ja, klar. Warum glauben die Leute alle bloss, ihr Leben sei so interessant, dass man ein Buch darüber schreiben möchte.
„Egal, was ich Ihnen erzähle?“
Ich hatte mir immer gewünscht, jemand würde mir vom Giftmord an ihrem Ehemann berichten. Oder sonst irgendetwas Spannendes. Ich versicherte ihr, dass kein Wort davon jemals bekannt würde. Sie entspannte sich ein wenig.
1986 stellte der neue, gynäkologische Belegarzt Hermann Dobrowsky, vom weiblichen Personal und dem homosexuellen Verwalter geliebt, aber von seinen Kollegen gehasst, den trägen Spitalalltag durch seine rücksichtslose Art auf den Kopf. Mitten in diesem intriganten Geschehen machte die Unterassistentin Agnes ihre ersten beruflichen Erfahrungen. Sie erzählt der Psychiaterin die zurückliegenden Geschehnisse aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten: als gynäkologischer Chefarzt Dr. Koller, dem Oberarzt Lindemann, Assistenzarzt Egon d’Estrées, Physiotherapeutin Elfie, Hebamme Schwester Rosa, aber auch aus der Perspektive von Hermann Dobrowsky und aus ihrer eigenen.
Die Psychiaterin Frau S., selbst mit ihrer Scheidung und Geldproblemen beschäftigt, welche sie in verschiedenen Casinos zu lösen versucht, vermutet bei Agnes eine multiple Persönlichkeitsstörung. Sie kann sich der Faszination der Geschichte jedoch nicht entziehen und solidarisiert sich zunehmend mit ihrer Patientin.
Auch kann Frau S. es nicht lassen, die intrigenreiche, rasante Geschichte aufzuschreiben. So entsteht ein Roman aus einem Krankenhaus, in dem jeder nach seinen eigenen Regeln spielt und versucht, die Kante des Teppichs nicht zu heben, unter den sie ihre Fehler und Intrigen gewischt haben.
Ein Stück Literatur zum Schmunzeln, mit einer sympathischen Hauptfigur in einem Leben voller Missgeschicke, Fehltritte, absurder und brenzliger Situationen. Die Handlung fesselt und die Art, wie das „Problem Dobrowsky“ gelöst wird ist so ungewöhnlich wie logisch. Der Roman ist ein Hochgenuss für jeden, der schon einmal in einem Krankenhaus gearbeitet hat oder medizinische Erfahrungen machen musste.
Nervös setzte sich Frau d’Estrées in den Sessel mir gegenüber. Ich lächelte und nickte ihr beruhigend zu.
„Nennen Sie mich bitte Agnes“, sagte sie.
„Nennen Sie mich Frau S.“, rutschte es mir heraus.
Ich fasste mich an die Stirn. Tolle Vorstellung. Am liebsten hätte ich mir eine Ohrfeige verpasst. Ich lächelte und nickte, während sie mich mit gerunzelter Stirn anschaute.
„Ich fühle mich wie ein gekochtes Huhn“, begann sie.
Ich merkte, dass ich immer noch nickte und hörte damit auf.
Sie lächelte verlegen. „Ein Freund von mir nennt es pischmisch tavuk. Es ist ein türkisches Sprichwort. Ein Huhn wird gejagt, geköpft und gerupft, bevor es gekocht wird. Wenn sich ein Mensch so fühlt, als wäre er schlimmer dran als das Huhn, nennt er ihn ein gekochtes Huhn. Pischmisch tavuk.“
Pischmisch tavuk, ja? Ich massierte meine Schläfen.
Agnes holte tief Luft. „Ich möchte Ihnen meine Lebensgeschichte erzählen. Seit Tagen spult sich alles in meinem Kopf immer und immer wieder ab. Ich kann einfach nicht abschalten.“ Sie zögerte. „Bleibt das aber auch ganz sicher zwischen uns?“, fragte sie unsicher.
Aber ja, klar. Warum glauben die Leute alle bloss, ihr Leben sei so interessant, dass man ein Buch darüber schreiben möchte.
„Egal, was ich Ihnen erzähle?“
Ich hatte mir immer gewünscht, jemand würde mir vom Giftmord an ihrem Ehemann berichten. Oder sonst irgendetwas Spannendes. Ich versicherte ihr, dass kein Wort davon jemals bekannt würde. Sie entspannte sich ein wenig.
1986 stellte der neue, gynäkologische Belegarzt Hermann Dobrowsky, vom weiblichen Personal und dem homosexuellen Verwalter geliebt, aber von seinen Kollegen gehasst, den trägen Spitalalltag durch seine rücksichtslose Art auf den Kopf. Mitten in diesem intriganten Geschehen machte die Unterassistentin Agnes ihre ersten beruflichen Erfahrungen. Sie erzählt der Psychiaterin die zurückliegenden Geschehnisse aus der Sicht der verschiedenen Protagonisten: als gynäkologischer Chefarzt Dr. Koller, dem Oberarzt Lindemann, Assistenzarzt Egon d’Estrées, Physiotherapeutin Elfie, Hebamme Schwester Rosa, aber auch aus der Perspektive von Hermann Dobrowsky und aus ihrer eigenen.
Die Psychiaterin Frau S., selbst mit ihrer Scheidung und Geldproblemen beschäftigt, welche sie in verschiedenen Casinos zu lösen versucht, vermutet bei Agnes eine multiple Persönlichkeitsstörung. Sie kann sich der Faszination der Geschichte jedoch nicht entziehen und solidarisiert sich zunehmend mit ihrer Patientin.
Auch kann Frau S. es nicht lassen, die intrigenreiche, rasante Geschichte aufzuschreiben. So entsteht ein Roman aus einem Krankenhaus, in dem jeder nach seinen eigenen Regeln spielt und versucht, die Kante des Teppichs nicht zu heben, unter den sie ihre Fehler und Intrigen gewischt haben.
Ein Stück Literatur zum Schmunzeln, mit einer sympathischen Hauptfigur in einem Leben voller Missgeschicke, Fehltritte, absurder und brenzliger Situationen. Die Handlung fesselt und die Art, wie das „Problem Dobrowsky“ gelöst wird ist so ungewöhnlich wie logisch. Der Roman ist ein Hochgenuss für jeden, der schon einmal in einem Krankenhaus gearbeitet hat oder medizinische Erfahrungen machen musste.